Rookie des Monats: Schauspielerin Clara Dolny (22)

Von Leithe in die Lindenstraße

Kategorie: Rookie des Monats

Von Leithe in die Lindenstraße
Schauspielerin Clara Dolny
Die Essener Schauspielerin Clara Dolny ist fester Bestandteil der legendären Fernsehserie »Lindenstraße«. Schon seit über drei Jahren ist sie sonntags im Ersten in der Rolle der Josephine Stadler zu sehen. Obwohl die 22-Jährige durch ihren Beruf viel unterwegs ist, verspürt sie wirkliches Heimatgefühl nur in Kray-Leithe.

 

Zum ersten Mal auf sich aufmerksam machte Clara im Jahre 2005 am Grillo Theater in einer Rolle im Stück »Homestories«. Das Projekt wurde damals mit dem »Essens Beste«-Preis ausgezeichnet. In dieser Zeit entdeckte eine Agentur ihr schauspielerisches Talent und vermittelte sie letztendlich in die Erfolgssoap »Lindenstraße«. Heute ist die Essenerin, die 2010 ihr Abitur am Gymnasium in Stoppenberg machte, eine gefragte Schauspielerin. Neben ihren Arbeiten am Theater und in der ARD, war sie schon in diversen Kino- und Kurzfilmen zu sehen. 

Wann hast du die Schauspielerei für dich entdeckt?

Wenn man bei meiner Familie nachfragt, würde man zu hören bekommen, dass ich schon seit meiner Kindheit immer gerne Show gespielt habe. Richtig geplant Schauspielerin zu werden, habe ich jedoch anfangs nicht. Ich kann mich noch erinnern, dass ich als Kind immer »Fahrradreparateurin« werden wollte. Damals war ich mit meinem Vater immer in einem Fahrradladen, in dem ich die Jungs so cool fand, dass ich das auch machen wollte. (lacht) Anfangs habe ich viel Schultheater gespielt, aber so richtig begeistert für die Schauspielerei wurde ich mit 13, als ich einen Theaterkurs im Steeler Grend machte.

Wie ging es danach für dich weiter?

Etwas später fiel mir zufällig ein Flyer für das Casting von »Homestories« vom Regisseur und Autor Nuran David Calis am Grillo Theater in die Hände. Mit einem Freund bin ich also völlig spontan hingegangen, ohne mich darauf vorzubereiten. Dadurch war ich auch überhaupt nicht aufgeregt und als ich gefragt wurde, ob ich etwas vorbereitet hätte, sagte ich »Nö!« und sollte dann einfach frei improvisieren. Bei dem Casting hab ich anschließend auf Wunsch auch noch ein altes Kinderlied geschmettert, obwohl ich eigentlich nicht wirklich singen kann. Zu meiner Überraschung fand der Regisseur meine Lässigkeit und dass ich mich für nichts geschämt habe super, sodass ich tatsächlich genommen wurde. Die »Homestories« haben damals eine riesige Erfolgsgeschichte geschrieben und wir wurden unter anderem bei »Essens Beste« ausgezeichnet. Mit demselben Ensemble haben wir anschließend auch noch das Stück »Liebe« inszeniert. Zu dieser Zeit habe ich mir das erste Mal ernsthaft gedacht, dass ich Schauspielerei gerne beruflich machen würde. 

Und wie bist du dann bei der »Lindenstraße« gelandet?

Nach meiner Stückpremiere von »Homestories« wurde ich dann von einer Schauspielagentur angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, auch mal was im Bereich Film und Fernsehen zu machen. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt und wir haben zusammen eine Kartei mit Videos und Fotos erstellt. Irgendwann kam dann eine Anfrage von der »Lindenstraße« und ich wurde zu zwei Castings eingeladen. Damals war ich total aufgeregt, weil ich darauf richtig Bock hatte. Es dauerte aber eine Ewigkeit bis ich danach eine Antwort bekam. An Weihnachten 2007 kam dann die Zusage. Ich war überrascht und überglücklich, obwohl mir damals noch nicht wirklich klar war, was das bedeutete.

Wie viel von deiner Rolle als Josephine Stadler steckt denn auch in dir persönlich?

Für mich ist die Rolle wie ein Zuhause. Sie ist nicht sehr weit weg von mir, obwohl sich »Josi« schon von mir unterscheidet. Außerdem ist sie ein Problemkind, rutscht schnell ab, was mir eher nicht passieren würde. Dafür ist sie sehr kess und frech, davon könnte ich mir manchmal im echten Leben was abgucken. Wenn ich irgendwann mal aussteigen sollte, werde ich die Rolle auf jeden Fall sehr vermissen!

Wenn du die Bereiche Soap, Film und Theater miteinander vergleichst, was liegt dir am meisten?

Das kann man kaum vergleichen. Ich würde sagen, dass die Soap am gemütlichsten ist, weil man sicher in einer Rolle ist und man am Set einfach alle kennt. Film empfinde ich bis jetzt am aufregendsten, weil man in relativ kurzer Zeit auf einen Schlag in einem völlig neuen Team arbeitet und am Ende auch viel geschnitten wird. Theater finde ich am anstrengendsten, aber auch am wertvollsten, weil ich einfach so gerne improvisiere und man dabei  in eine andere Welt abtaucht. Vor kurzen habe ich noch auf der Studio-Bühne Essen ein so tolles Stück gesehen, dass ich unfassbar gerührt war. Da hatte ich sofort wieder Lust selbst Theater zu spielen.

Schauspielerei ist für viele junge Menschen ein absoluter Traumberuf. Ist dieser Job wirklich so schön, wie viele ihn sich ausmalen?

Ich mag den Beruf sehr. Trotzdem ist das Schauspiel ein ganz normaler Beruf und es hört sich vieles schöner an, als es ist. Man läuft ja nicht jeden Tag über den roten Teppich, sondern muss oft hart arbeiten. Da die »Lindenstraße« aber keine täglich ausgestrahlte Serie ist, stehe ich auch längst nicht jeden Tag vor der Kamera, sondern hab auch nebenbei Zeit für andere Sachen. Zum Beispiel war ich vor etwa einem Jahr drei Monate in Australien oder habe auch mal ein Praktikum als Hebamme gemacht. Ich habe mich jetzt auch für das Studium der Sozialen Arbeit eingeschrieben, weil ich extrem gerne mit Kindern arbeite und gerne später als Tanzpädagogin arbeiten würde.

Heißt das, dass du gar nicht weiter als Schauspielerin arbeiten möchtest?

Doch, auf jeden Fall. Aber ich finde so viele Dinge spannend und genieße es einfach, dass ich dafür momentan so viel Raum habe. Natürlich würde ich gerne mein Leben lang hauptberuflich als Schauspielerin arbeiten, aber nicht um jeden Preis. Zurzeit möchte ich auch nicht wirklich eine Schauspielschule besuchen, weil dort oft an deiner Persönlichkeit geschraubt wird. Ich konzentriere mich insgesamt lieber aufs Leben, als nur auf den Beruf.

Was würdest du jungen Leuten mit auf den Weg geben, die auch davon träumen, Schauspieler zu werden?

Ich kann immer nur empfehlen alles auszuprobieren. Beim Schauspiel bieten sich Jugendtheatergruppen an, um zu testen, ob das einem Spaß macht. Wenn jemand den Beruf nur ausüben möchte, um berühmt zu werden, ist das definitiv das falsche Motiv. Man muss auch wirklich gerne schauspielern und darin völlig aufgehen. Ich glaube auch, dass man sonst nicht lange durchhält. Daher sollte man immer einen realistischen Blick bewahren.

Obwohl du regelmäßig in Köln drehst, wohnst du noch immer in Essen. Was magst du an der Stadt?

Insgesamt glaube ich, dass man Essen nur zu schätzen weiß, wenn man hier wirklich groß geworden ist. Kray-Leithe ist meine Heimat. Überall in der Stadt kenne ich wunderschöne Ecken, zum Beispiel bin ich unglaublich gerne an der Ruhr. Auch wenn ich demnächst wahrscheinlich der Liebe folge und nach Frankfurt ziehe, bleibe ich Essen emotional immer sehr verbunden. Außerdem ist für mich persönlich das Grillo Theater etwas ganz besonderes, weil hier für mich alles begann. Ein magischer Ort.

 

Text: Sebastian Paas   Fotos: Kevin Gonska, WDR / Steven Mahner

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