Rookie des Monats: Fußballer Timo Brauer (21)

Timo von Nebenan

Kategorie: Rookie des Monats

Timo von Nebenan
Fußballer Timo Brauer
Fußballspieler Timo Brauer ist mit 21 Jahren bereits Mannschaftskapitän von Rot-Weiss Essen. Trotz lukrativer Angebote ist er seinem Verein treu geblieben. Doch eines Tages möchte er sich den Traum von der Bundesliga erfüllen.

 

Aufgewachsen ist Timo Brauer in Bergeborbeck, nur wenige Meter vom RWE-Stadion entfernt. Schon als kleiner Junge erlebte er somit die außergewöhnliche Stimmung bei den Heimspielen an der Hafenstraße hautnah mit. Früh begann er auch selbst die Spiele vom Fanblock aus zu verfolgen, während parallel seine eigene Fußball-Karriere Form annahm. In der letzten Saison war Timo der Motor im Spiel der Rot-Weissen und zusätzlich mit zehn Treffern erfolgreichster Torschütze. Für die Fans ist Brauer als »Essener Junge« die unangefochtene Identifikationsfigur bei RWE.

Timo, was ist es für ein Gefühl, als gebürtiger Essener die Mannschaft bei Heimspielen auf den Platz zu führen?

Für mich ist das jedes Mal eine  ganz besondere Erfahrung. Da ich früher selbst als Fan im Block stand, kann ich auch genau nachempfinden, wie sich die Fans auf diesen Augenblick freuen. Ich erlebe diesen Einlauf ins Stadion somit immer von beiden Seiten, sowohl als Spieler als auch als Fan. Wenn die Hütte dann voll ist, ist das immer wieder ein außergewöhnliches Erlebnis. Man sollte jeden schönen Moment im Leben genießen und das versuche ich mir vor jedem Spiel bewusst zu machen. Denn man weiß ja nie, wie lange man dieses Glück noch hat.

Als gerade mal 21-Jähriger bist du jetzt in der zweiten Saison der Mannschaftskapitän von RWE. Spürst du da nicht auch einen gewissen Druck, der auf dir lastet?

Nein, Druck spüre ich nicht wirklich, aber eine gewisse Verantwortung trage ich natürlich schon. Dessen bin ich mir auch bewusst und übernehme sie gerne. Grundsätzlich nehme ich das Kapitänsamt aber nicht zu wichtig, da es für mich letztendlich auch nur eine Binde ist, die ich während des Spiels trage. Selbst wenn ich nicht Kapitän wäre, würde ich Verantwortung innerhalb der Mannschaft übernehmen. Generell bin ich aber ein lockerer Typ, sodass mich das nicht belastet.

Wo hast du angefangen Fußball zu spielen und wie ging es fußballerisch für dich weiter?

Angefangen hab ich bei mir um die Ecke, bei Ballfreunde Bergeborbeck. Dort hab ich bis zum zwölften Lebensjahr gespielt und bin dann zu Schwarz-Weiß Essen gewechselt. Ein Jahr später folgte ein Angebot von Schalke 04, das ich annahm und in der Folge acht Jahre dort gespielt und das Fußball-Internat besucht habe. Ich war damals unter anderem mit dem heutigen Nationaltorwart Manuel Neuer, der damals noch in Altenessen gewohnt hat, in einer Fahrgemeinschaft. Außerdem war ich zwei Jahre lang mit Mesut Özil in einer Klasse. Ich hab mich immer sehr gut mit ihm verstanden, hab noch viele gemeinsame Fotos zu Hause rumliegen und freue mich wirklich für ihn, dass er es soweit geschafft hat.

Wo du gerade vom heutigen Real-Madrid-Profi Mesut Özil redest: Ärgerst du dich nicht manchmal, dass du es bisher »nur« zu Rot-Weiss Essen geschafft hast?

Nein, überhaupt nicht. Für Mesut freu ich mich einfach, weil ich weiß, dass er ein lockerer Typ ist, der einfach gerne kickt und so seinen Traum jetzt schon verwirklicht hat. Ich bin momentan zum einen super glücklich für RWE spielen zu dürfen und zum anderen bin ich jung und habe noch einiges vor mir. Außerdem bin ich ja nicht vor den Baum gelaufen und hab auch noch Ziele, die ich verwirklichen möchte. Nach meiner Zeit in Schalke war Rot-Weiss Essen das Beste, was mir passieren konnte. Trotzdem ist es weiterhin mein großer Traum einmal Bundesliga zu spielen. Ich möchte aber nicht zu weit in die Zukunft schauen, sondern Schritt für Schritt gehen. Außerdem hoffe ich einfach, weiterhin gesund zu bleiben und genieße jetzt erst mal die letzte Saison im alten RWE-Stadion. Wie das Leben sich entwickelt, kann man sowieso nicht planen.

Dass du deinen Vertrag bei RWE verlängert hast, war schon überraschend, da du auch höherklassige Angebote hattest. Was waren deine Beweggründe für diese Entscheidung?

Zum einen habe ich natürlich eine emotionale Bindung zu diesem Verein, weil ich hier selbst viele Spiele als Fan auf der Tribüne verfolgt habe. Ich war zum Beispiel bei den legendären Pokalspielen gegen Leverkusen oder Hamburg im Stadion und habe als Kind die außergewöhnliche Stimmung miterlebt. Aber zum anderen kann ich mich hier auch sportlich weiter entwickeln. In meinem Alter ist es enorm wichtig, möglichst viel zu spielen. Mir würde es nichts bringen,
wenn ich jetzt bei einem höherklassigen Verein auf der Bank sitzen würde. Außerdem ist die Stimmung im Stadion fantastisch und deutlich besser, als es die Liga vermuten lässt. Wenn man die letzte Saison Revue passieren lässt, bin ich einfach der Meinung, dass die Fans 50 Prozent Anteil am erfolgreichen Abschneiden hatten und wir viele Spiele ohne unsere Anhänger nicht gewonnen hätten. Wenn man jetzt zum Beispiel den Dauerkartenvorverkauf beobachtet, ist das einfach wieder überragend. Uns sollte es einfach wieder gelingen diese Euphorie mitzunehmen.

War es für dich damals eigentlich ein Gewissenskonflikt, als RWE-Anhänger zum ungeliebten FC Schalke 04 zu wechseln?

Naja, zu der Zeit war ich ja noch sehr jung und war ganz einfach beeindruckt davon, bei einem Proficlub spielen zu dürfen. Aber aus heutiger Perspektive kann ich ja offen damit umgehen, dass ich – um es mal harmlos auszudrücken – kein Schalke-Sympathisant bin. Ich hab dorthin heute auch keinen Kontakt mehr und kann ohne Probleme alle Strophen von »Am Tag, als der FC Scheiße starb« mitsingen. (lacht)

Wenn du einen Blick in die Zukunft wirfst, wo würdest du dich gerne in zehn Jahren sehen?

Ich würde dann natürlich schon gerne noch so hoch wie möglich Fußball spielen, da der Fußball schon eine extrem wichtige Rolle in meinem Leben einnimmt. Trotzdem weiß ich, dass man auch an die Zeit nach der Karriere denken muss. Daher habe ich gerade ein BWL- und Wirtschaftspsychologie-Studium an der Fernuni Hamburg begonnen. Ich habe 2009 mein Abi am Schalke-Internat gemacht und danach meinen Zivildienst geleistet. Momentan habe ich Freizeit, wenn wir gerade kein Training haben und da finde ich es wichtig, auch mal was für die Birne zu tun. Ich bin einfach realistisch genug, um zu wissen, dass eine Fußballer-Karriere mit Mitte 30 vorbei ist und dann muss man Alternativen haben. Trotzdem ist es ein Traum von mir, auch nach meiner aktiven Karriere weiterhin mit Fußball Geld zu verdienen, zum Beispiel  als Trainer oder Manager.

Mal abgesehen vom Fußball, welche Dinge sind dir noch wichtig im Leben?

Am wichtigsten sind mir meine Familie und meine Freunde. Ich wohne schon seit meiner Geburt im Haus meiner Großeltern in Bergeborbeck. Meine Großeltern wohnen unten, meine Eltern in der Mitte und ich habe eine Wohnung unterm Dach. Daher versuche ich auch so viel Zeit wie möglich mit Familie und Freunden zu verbringen. Auch meine Freunde wohnen alle direkt bei mir in der Nähe und sind mir total wichtig. Die meisten dieser Freundschaften existieren schon sehr lange und helfen mir auch dabei, auf dem Teppich zu bleiben.

Wie du gerade schon erzählt hast, wohnst du seit deiner Geburt in Essen. Was magst du besonders an deiner Heimatstadt?

Essen ist meine Heimat und ich fühle mich hier pudelwohl. Anders als auf dem Fußballplatz bin ich ziemlich faul, was den Besuch anderer Städte angeht. Ich bin gerne mit Freunden unterwegs, meistens in der Nähe vom Kennedyplatz. Trotzdem finde ich, dass Essen, was Cafés und Kneipen betrifft, im Vergleich zu manchen Nachbarstädten noch aufholen kann. Außerdem finde ich es persönlich wichtig für die Stadt, dass das Stadion jetzt tatsächlich gebaut wird. Essen ist einfach eine typische Ruhrgebietsstadt, hier liegt alles eng beieinander. Mir  gefällt einfach die Ruhrpott-Mentalität, mit der offenen und direkten Art der Menschen – genauso ticke ich ja auch.

Durch deinen engen Bezug zu deiner Heimatstadt bist du für viele RWE-Fans eine besondere Ikone und Identifikationsfigur. Wie gefällt die diese Rolle?

Naja, ganz so extrem sehe ich das eher nicht und würde mich auch auf keinen Fall als Ikone sehen. Trotzdem liest und hört man positive Geschichten natürlich immer gerne über sich selbst. Mir ist es einfach wichtig, mich nicht zu verstellen und auf dem Boden zu bleiben. Daher habe ich auch keine Berührungsängste mit den Fans. Ich selbst sehe mich immer noch als den »Timo von nebenan« und habe einfach nur das Glück, dass ich ganz gut kicken kann. Daher ist es für mich auch völlig selbstverständlich sich auch neben dem Platz absolut natürlich zu verhalten.

Weblinks:

www.fussballdaten.de/spieler/brauertimo/

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