Rookie des Monats: Fußball-Nationalspielerin Kathrin Längert (26)

Die Traumhüterin

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Die Traumhüterin
Rookie des Monats: Fußball-Nationalspielerin Kathrin Längert (26)

 

Kathrin Längert ist Fußballerin beim FC Bayern München. Zurzeit steht die Essenerin im vorläufigen Kader der Nationalmannschaft für die anstehende Europameisterschaft im Juli. Das große Ziel der Torhüterin ist es, bei der EM dabei zu sein.

 

Kathrin Längert (26) spielt seit sieben Jahren in der Bundesliga und hat bereits den DFB-Pokal und den UEFA-Cup gewonnen. Die Torhüterin vom FC Bayern München ist seit zwei Jahren Bestandteil der Nationalmannschaft und träumt davon, bei der anstehenden EM in Schweden den Titel zu gewinnen.

 

Kathrin, wie hast du es von Essen in die Bundesliga und in die Nationalmannschaft geschafft?

Bei mir hat da überhaupt kein Plan hinter gesteckt. Als Kind habe ich bei TuS 84/10 in Bergeborbeck mit dem Fußball begonnen und die ersten Jahre in Jungenmannschaften gespielt. Anfangs wusste ich gar nicht, dass so ein Unterschied zwischen Jungs und Mädchen gemacht wird und dass es überhaupt eine eigene Frauen-Nationalmannschaft gibt. Wie bei meinen Mitspielern auch, war es mein Traum, eines Tages in der Männer-Bundesliga beim BVB kicken. Weder ich noch meine Eltern haben damals große Bemühungen angestellt, aus mir eine Bundesligaspielerin zu machen. Ich habe mich nie irgendwo beworben oder bin zu Probetrainings gefahren. Es war immer so, dass Leute von außen auf mich zugekommen sind und ich mich dann den Herausforderungen gestellt habe.

 

Wie ging es weiter?

Als ich 10 Jahre alt war, wurde ich zur Kreisauswahl eingeladen. Da habe ich dann zum ersten Mal bemerkt, wie viele Mädchen es überhaupt gibt, die Fußball spielen. Vorher habe ich ja immer nur mit Jungs gespielt. Etwas später wurde ich zur Verbandsauswahl eingeladen und beim Länderpokal vom Bundesligisten FCR Duisburg entdeckt. Es hat mich schon gefreut, von so einem Verein, der schon damals zur absoluten Spitze in Deutschland zählte, umworben zu werden. Der Trainer hat meine Familie und mich damals zuhause besucht und wollte mich überzeugen, nach Duisburg zu wechseln. 

 

Und da wurde dir klar, dass du es in die Bundesliga schaffen kannst?

Es war auf jeden Fall der Punkt, an dem ich mich zum ersten Mal damit beschäftigen musste, ob ich diesen Sport wirklich ernsthaft betreiben möchte. Ich war damals 15 und konnte locker spielen, ohne große Opfer zu bringen. Schule und Freizeit zu vereinbaren, war bis hierher kein Problem. Nun sollte ich mehrmals die Woche Training haben, längere Fahrzeiten und sollte sogar im Urlaub täglich joggen gehen. Aber ich habe nicht lange nachgedacht und das Angebot angenommen. Es war eine tolle Chance für mich und die Neugier hat von Anfang an überwogen. Ich wollte einfach wissen, wie weit ich es schaffen kann, wenn ich es ernsthaft versuche.

 

»Als ich kurz davor war, meinen Traum von der Bundesliga zu erfüllen, hatte ich oft Zweifel.«

 


 


 

Wie ging es in Duisburg weiter?

In Duisburg lief alles fast wie von alleine. Die ersten Monate habe ich noch ganz normal in der Jugendmannschaft trainiert. Dann bekam ich die Möglichkeit, einmal in der Woche bei der 1. Mannschaft zu trainieren. Ich weiß noch, wie aufgeregt ich war! Ich durfte zusammen mit Spielerinnen wie Inka Grings, Martina Voss und Melanie Hoffmann trainieren, die ja alle richtige Stars aus der Nationalmannschaft waren! Ich habe mich dann ganz gut angestellt und nach kurzer Zeit sollte ich dann nur noch bei den Erwachsenen trainieren. Das war schon ein krasser Sprung für mich. Am Anfang war ich im Training total überfordert, aber nach einer Zeit habe ich mich an das Niveau gewöhnt. Das hat mir dann auch ziemlich großes Selbstbewusstsein gegeben, weil ich gemerkt habe, dass ich auf diesem Level mithalten kann.

 

Im Jahr 2006 hast du dann dein erstes Bundesligaspiel gemacht.

Als unsere erste Torhüterin Silke Rottenberg den Verein verließ, gab es in der Saisonvorbereitung einen offenen Konkurrenzkampf zwischen zwei weiteren Torhüterinnen und mir. Ich habe wochenlang hart trainiert, weil ich mir so wahnsinnig gewünscht habe, die neue Nummer 1 zu werden. Das war eine schwierige Situation.  Man ist so kurz davor, sich seinen Traum zu erfüllen und hat dennoch oft auch Zweifel. Ich habe mich oft gefragt, ob ich wirklich gut genug bin und was ich mache, wenn ich es nicht bin. Schließlich wurde ich dann zur Nummer 1 und hatte das große Glück, dass mein erstes Bundesliga-spiel wirklich traumhaft verlaufen ist. Wir gewannen das Spiel mit 1-0 und ich habe mit zwei, drei Aktionen den Sieg festgehalten. Das war wirklich ein wunderschönes Erlebnis, den Tag werde ich nie vergessen. Ich war gerade mal 19 Jahre alt und hatte mir meinen Traum verwirklicht. 

 

Du warst mit dem FCR Duisburg sehr erfolgreich. Wieso bist du 2009 zum FC Bayern München gewechselt?

Ich hatte einfach das Gefühl, dass es Zeit für etwas Neues wird. Mein Vertrag lief aus und als plötzlich Angebote von anderen Vereinen kamen, habe ich zum ersten Mal daran gedacht, woanders zu spielen. Ich hatte Lust auf eine Veränderung, um mich weiter zu entwickeln. Auch die räumliche Distanz war mir wichtig. Ich dachte, ich muss vielleicht mal raus aus dem gewohnten Umfeld und mich neu beweisen. Ich wollte wissen, ob ich auch woanders Erfolg haben kann. Ich war sieben Jahre in Duisburg und habe alle meine Ziele erreicht. Erst wollte ich Nummer 1 in der Jugendmannschaft werden, dann in der Bundesliga spielen und schließlich einmal einen großen Titel mit Duisburg gewinnen. In meiner letzten Saison haben wir dann den DFB-Pokal und dazu noch den UEFA-Cup gewonnen. Das war wirklich was Besonderes und für mich auch ein ganz toller Abschluss meiner Zeit beim FCR Duisburg.

 

Wie ist das, wenn man beim FC Bayern München spielt?

Es ist schon professioneller, als bei reinen Frauenfußball-Vereinen. Wir sind schon stark in den Gesamtverein eingebunden. Im Winter trainieren wir zum Beispiel an der Säbener Straße, wo auch die Männer zuhause sind. Im letzten Jahr wurden wir zum Finale der Champions League eingeladen oder wir waren mal mit der Mannschaft bei Uli Hoeneß am Tegernsee zum Mittagessen. Insgesamt genießt der Frauenfußball beim FC Bayern schon einen hohen Stellenwert, nicht erst seit unserem DFB-Pokalsieg im letzten Jahr. Der Verein ermöglicht uns super Bedingungen, das ist schon eine andere Welt als in Duisburg.

 

Du stehst im vorläufigen Kader der Nationalmannschaft für die EM im Juli in Schweden. Wie siehst du deine Perspektive?

Im Juni haben wir zwei Lehrgänge mit der Nationalmannschaft. Kurz vor der EM gibt die Bundestrainerin den endgültigen Kader bekannt. Mein oberstes Ziel ist es natürlich, im Kader zu sein. Ich bin jetzt fast zwei Jahre im Team und war auch in der gesamten EM-Qualifikation dabei. Für mich wäre es ein Traum, mit nach Schweden zu reisen.

 

Was glaubst du, kann die Mannschaft bei der EM erreichen?

Ich bin zuversichtlich, dass unsere Mannschaft bei der EM eine gute Rolle spielen kann. Allerdings wird das keine einfache Sache, da wir dort auf starke Gegnerinnen treffen. Bei der Europameisterschaft treffen die Top-Nationen aufeinander, da gibt es kaum noch Qualitätsunterschiede. Ich denke, dass oftmals die Tagesform entscheiden wird. Natürlich träumen wir vom Titel, aber man muss immer einen Schritt nach dem andern machen. Momentan bereiten wir uns einfach nur gut auf das Turnier vor und trainieren hart für unser Ziel.

 

Steht der Frauenfußball deiner Meinung nach immer noch im Schatten des Männerfußballs?

Natürlich steht der Frauenfußball im Schatten der Männer. Das ist aber in allen Sportarten so. Es gibt in Deutschland den Fußball der Männer und alle anderen Sportarten. Egal ob Basketball, Handball, Tennis oder Frauenfußball – gegen den Profifußball der Männer kann in Deutschland keine Sportart bestehen. Weder vom Geld her, noch von der Aufmerksamkeit der Medien. Wir im Frauenfußball sind da noch in einer guten Situation. Ich habe zum Beispiel das Glück, dass ich von meinem Sport leben kann und mein Hobby zum Beruf machen konnte. Ich habe schon viele Sportler aus anderen Sportarten getroffen, die haben ganz andere Probleme und wissen oft nicht, wie sie z.B. ihre Reisekosten bezahlen sollen.

 

»Natürlich steht der Frauenfußball im Schatten des Männerfußballs. In dessen Schatten stehen aber auch alle anderen Sportarten.«

 

Was für Ziele hast du für die Zukunft?

Ich habe neben dem Fußball Germanistik studiert und im letzten Jahr meinen Bachelor gemacht. Ich hätte Lust, nach der Karriere was im Bereich Journalismus oder in der Literatur zu machen. Aber erstmal hoffe ich, dass ich noch ein paar Jahre Fußball spielen kann und den Rest wird man sehen. Ansonsten wünsche ich mir, dass ich einfach gesund bleibe. Ich liebe meinen Beruf und möchte es genießen, so lange es dauert. Was den Fußball angeht, würde ich gerne mal Deutscher Meister werden und natürlich mein erstes Länderspiel machen.

 

Vielleicht ist es ja schon am 15. Juni beim Länderspiel der DFB-Frauen in Essen gegen Schottland soweit. Freust du dich, mit der Nationalmannschaft nach Essen zu kommen?

Ja total, das ist wirklich was Besonderes und ein schönes Gefühl. Ich finde es toll, dass Essen mit dem neuen Stadion ein Länderspiel bekommen hat.Ich bin heimatverbunden, ein echter „Ruhrpott-Kanacke“ und komme immer gerne zurück.Wie sehr einen die Heimat prägt, merkt man erst wenn man mal weg ist. Ich freue mich umso mehr, jetzt mal mit der Nationalmannschaft zu kommen.Viele Freunde und meine Familie werden im Stadion sein – das wird bestimmt ein schöner Tag. 


Kathrin Längert

Beruf: Fußballerin

Geburtstag: 04.06.1987

Heimatort: Essen-Borbeck

Hobbies: Familie, Freunde, Lesen, Musik, Filme

Web: fcbayern-frauenfussball.de


 

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