Rookie des Monats: Autorin Mechthild Gläser (26)

Die Stadt der Talente

Kategorie: Rookie des Monats

Die Stadt der Talente
Autorin Mechthild Gläser
Essen als Handlungsort eines Romans. Die Autorin Mechthild Gläser hat dies in die Realität umgesetzt. Derzeit sorgt die Essenerin mit ihrem Debütroman »Stadt aus Trug und Schatten« für Aufsehen in der deutschen Literaturlandschaft. Mit dem ersten Teil ihrer Trilogie reist die 26-Jährige aktuell durch Deutschland, stellt ihren Fantasy-Roman vor und hält Lesungen.

 

Schon als kleines Kind liebte sie es, fantasievolle Geschichten zu lesen und spürte, dass Bücher eine besondere Magie ausstrahlen. Mit vierzehn fing sie an selbst zu schreiben, noch während ihrer Schulzeit an der Realschule Essen West wurde dort ein von ihr verfasstes Theaterstück aufgeführt. Als siebzehnjährige wurde ihr Talent dann von einer Agentur entdeckt und sie wurde unter Vertrag genommen. Nur kurze Zeit später unterschrieb sie einen Vertrag für eine Trilogie beim Loewe Verlag.  Zwar dauerte es bis zur Veröffentlichung ihres ersten Romans noch etwas, doch im Januar konnte die in Steele lebende Autorin endlich ihr Erstlingswerk in der Zeche Carl vorstellen.

Was erwartet die Leser deines Buches?

»Stadt aus Trug und Schatten« ist ein Fantasy-Roman und der erste Teil einer Trilogie. In erster Linie ist es ein Jugendbuch, allerdings ist es von der Inhaltsebene auch für Erwachsene interessant. Die Handlung spielt in Essen, aber auch in Eisenheim einer Traumwelt, die in etwa mit Essen vor 100 Jahren gleichzusetzen ist. Es geht darum, dass die Seelen der Menschen im Schlaf nach Eisenheim wandern, und damit ein Doppelleben führen. Außerdem findet in diesem Rahmen eine Liebesgeschichte statt. Für mich war es eine reizvolle Aufgabe das Spannungsfeld zu zeigen zwischen Essen wie es heute ist und früher war. Das war ein mutiger Schritt, weil es sicherlich angesagter wäre, die Handlung nach Berlin oder Hamburg zu verlegen. Mir war es aber wichtig, dass mein Roman in Essen spielt. Orte wie der Kennedyplatz, der Hauptbahnhof oder der Limbeckerplatz werden somit zu Schauplätzen meiner Geschichte.

Wie ist dein Roman »Stadt aus Trug und Schatten« entstanden?

Meine ersten Ideen für den Roman habe ich bereits 2009 gesammelt. Die Hauptphase des Schreibens war dann ein Jahr später von Februar bis September. Vor sechs Wochen habe ich den zweiten Teil der Trilogie fertiggestellt und er wird im Januar 2013 erscheinen. Wahrscheinlich wird die Buchveröffentlichung wieder in der Zeche Karl stattfinden, darauf freue  ich mich sehr. Den dritten Teil werde ich dann in naher Zukunft in Angriff nehmen.

Wann hast du mit dem Schreiben angefangen?

Eigentlich habe ich relativ spät das Schreiben für mich entdeckt. Aber ich habe schon immer tierisch gerne gelesen. Für mich hatte das Schreiben immer etwas Magisches und ich konnte mir nie vorstellen, dass hinter den Texten reale Menschen stecken, die diese verfassen. Mit 14 war ich dann in der Schule in einer Theater-AG, dort hat die Lehrerin das Stück selbst geschrieben. Erst da ist mir klar geworden, dass es Menschen aus dem realen Leben sind, die diese Geschichten schreiben. Das hat mich inspiriert und ich fing an selbst zu schreiben. Erst habe ich auch ein Theaterstück geschrieben, das anschließend sogar an der Schule aufgeführt wurde. Dann habe ich ein Märchen geschrieben, bei dem ich extra viel Rand gelassen habe und die größte Schrift ausgewählt habe. So habe ich den Text auf 150 Seiten gestreckt und dachte mir zum ersten Mal stolz: »Wow, ich habe ein Buch geschrieben.«

Wie hast du es letztendlich geschafft, dass dein Buch in einem so großen Verlag veröffentlicht wurde?

Ich hatte  das Glück, dass ich bei einer Agentur auf Anhieb genommen wurde. In Deutschland ist es im Literaturbetrieb üblich, dass man sich nicht direkt bei den Verlagen bewirbt, sondern dies über Agenten geschieht. Das ist für beide Parteien sehr sinnvoll: Für die Verlage sichert dies die Qualität der Autoren, und für mich als Autorin ist es einfach praktisch, weil ich mich nicht selbst um die Verträge und Paragrafen kümmern muss. Außerdem arbeiten dort absolute Profis, die einem immer hilfreiche Tipps geben können.

Wie muss man sich das Leben als Autorin vorstellen. Bist du auch viel unterwegs, um dein Buch vorzustellen?

Ich studiere ja derzeit noch und mache gerade meinen Master in »Europäische Kultur und Wirtschaft«. Mittlerweile muss ich aber schon sagen, dass ich ziemlich häufig Lesungen habe und mein Studium da aktuell etwas in den Hintergrund rückt. Unter anderem habe ich auf der Leipziger Buchmesse, in Hamburg oder in Datteln gelesen. Dadurch komme ich natürlich viel rum. Ich empfinde das aber insgesamt als positiven Stress, weil ich sehr gerne vorlese. Mir gefällt daran einfach, dass ich sehr direkten Kontakt zu den Lesern habe. Das ist für mich ein viel realeres Feedback als Kommentare bei Amazon oder in Internetforen. Außerdem habe ich noch nie erlebt, dass Menschen unfreundlich geworden wären.

Wie muss man sich bei dir den Prozess des Schreibens vorstellen?

Ich muss schon sagen, dass ich mich da manchmal natürlich auch zu zwingen muss. Es ist nicht so als könne man warten bis einen die Muse küsst. Aber bei mir ist das sehr unterschiedlich. Manchmal gibt es Wochen in denen ich garnichts schreibe, dann schnappe ich mir gelegentlich zwischen zwei Seminaren mein Notebook und schreibe schnell eine halbe Seite oder ich setze mich länger daran. In meinen Semesterferien zum Beispiel  sitze ich teilweise den ganzen Tag in der Bibliothek und schaffe dann auch mal zehn Seiten pro Tag. Ich muss aber schon gestehen, dass es mir schwerfällt und eine große Umstellung ist, mit Deadlines umzugehen.

Ist es dein erklärtes Ziel Berufsautorin zu werden?

Grundsätzlich ist es auf jeden Fall mein Traum, das Schreiben zu meinem Hauptberuf zu machen. Ich würde aber niemals mein Studium schmeißen, weil man nie weiß wie es für einen weiterläuft. Zurzeit könnte ich zwar vom Schreiben leben, aber ich möchte nicht eines Tages in die Situation kommen, dass ich nur noch schreibe, um Geld zu verdienen und nicht mehr weil es mir auf der Seele brennt. Daher bin ich sehr froh, dass es sich derzeit mit dem Studium vereinbaren lässt. Was in ein paar Jahren ist, wird sich zeigen.

Was ist für dich das Besondere am Schreiben?

Ich finde es einfach faszinierend, dass ich so meine eigene Welt erschaffen kann, in der die verrücktesten Sachen passieren können und plötzlich logisch werden. Wenn ich mir überlege, dass ich zwischen zwei Buchdeckeln Dinge aufschreibe, die andere lesen und so auch diese Welt sehen können, begeistert mich das total. So werden Dinge aus meinem Kopf für andere Menschen sichtbar, das ist für mich ein kleines Wunder!

Hast du neben deiner Autorentätigkeit und deinem Studium überhaupt noch Zeit für andere Hobbys?

Leider habe ich momentan wirklich nicht sehr viel Freizeit. Ich mache sehr gerne Ballett, lese immer noch sehr gerne und engagiere mich ehrenamtlich in der evangelischen Kirche.

Mit deinem Roman hast du es geschafft, Essen in der deutschen Literatur zu platzieren. Welche Dinge magst du besonders an deiner Heimatstadt?

Ich bin total begeistert von der Industrievergangenheit. Ich arbeite an der Uni auch als Hilfskraft in der Bibliothek des Ruhrgebiets. Dabei gehen mir viele Bücher durch die Hände, die sich mit der Vergangenheit des Ruhrgebiets befassen, da geht es um Flöze, Arbeitersiedlungen und Zechen. Sowas finde ich total spannend. Daher fand ich es auch so passend, dass ich aus meinem Buch das erste Mal in der Zeche Karl vorlesen konnte und hoffe, dass dort auch mein zweiter Band vorgestellt wird. Eine tolle Kulisse!

www.mechthild-glaeser.de

 

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