Tobias Brecklinghaus ist von Beruf »Sprecher«.

Wie wird man eigentlich Werbespot-Sprecher?

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Wie wird man eigentlich Werbespot-Sprecher?
Tobias Brecklinghaus ist von Beruf »Sprecher«.
Die Stimme von Tobias Brecklinghaus kommt einem irgendwie bekannt vor. Sie ist tief und kraftvoll und man hat sie bereits in zahlreichen Radio- und TV-Spots gehört. Der 28-Jährige Essener ist von Beruf »Sprecher«. Doch wie kommt man eigentlich auf diesen Beruf?

 

Seit 2007 bist du als Sprecher selbstständig. Was genau ist überhaupt ein Sprecher?

Das ist eigentlich ganz einfach. Ich verkaufe sozusagen die Rechte an meiner Stimme. Und ich spreche einfach alles, was man mir auf den Tisch legt. (lacht) Nein, mal im Ernst. Das Spektrum, was ein Sprecher alles machen kann, ist sehr groß. Man ist nicht nur bei Spots im Radio zu hören, sondern man nimmt Hörbücher oder Hörspiele auf,  leiht Charakteren in Videospielen seine Stimme oder ist bei TV-Dokumentationen, Imagefilmen, Werbespots oder Kinotrailern die Stimme im Hintergrund, also die »Off-Stimme«. Außerdem hat der Beruf des Sprechers viel mit dem des Schauspielers gemeinsam. Deswegen sind auch viele Sprecher ursprünglich Schauspieler. Wenn es nämlich darum geht, Filme zu synchronisieren, also einen Charakter nachzusprechen, braucht man dafür natürlich auch schauspielerisches Talent und vor allem ein gutes Gehör.


Wie läuft so eine Aufnahme,  beispielsweise für einen Werbespot, dann eigentlich ab?

Ich habe mein eigenes Studio zu Hause. Das heißt, ich kann von zu Hause arbeiten. Der Kunde sagt, was ich sagen soll. Dann hört er sich meine Interpretation live an und erklärt mir, wie er es haben will. Werblicher, cooler, sonorischer, lyrischer, freundlicher, dynamischer oder mysteriöser... (lacht) Ich glaube, man hört in keinem Beruf so viele Adjektive wie in diesem. Bei einem kurzen Radio-Spot ist das Ding dann meist innerhalb von wenigen Minuten im Kasten. Bei der Live-Übertragung der Audiodaten hilft mir ein sogenanntes »Music Taxi«.


Für die meisten Menschen ist es erschreckend, wenn sie plötzlich die eigene Stimme hören.

Bei mir war das noch nie so, ich bin an meine Stimme gewöhnt. Wohl auch, weil ich Sänger bin. Früher in der Band »Neverless« und heute bei den »Groove Suckers«. Außerdem habe ich eine dreijährige Gesangsausbildung absolviert. Hier habe ich gelernt, wie ich mit meiner Stimme richtig umgehe, also zum Beispiel meine Atmung und die Kopfstimme zu kontrollieren.


Hattest du denn immer geplant, später einmal Sprecher zu werden?

(lacht) Auf gar keinen Fall! Mir wäre doch nicht im Traum eingefallen, dass es so einen Beruf überhaupt gibt! Mein ursprünglicher Plan war ja, mit der Band voll durchzustarten. Als das nicht klappte, wollte ich in die Medienbranche und machte ein Praktikum in einer Werbeagentur. Dort gab es auch eine Tonabteilung, in der der Sound für Werbesports produziert wurde. Das interessierte mich sehr und ich durfte oft zugucken. Ich hätte damals gerne eine  Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton angefangen. Doch es kam anders.


Wie ging es dann weiter?

Eines Tages fiel plötzlich ein Sprecher aus, der einen Werbespot einsprechen sollte. Nach einigen Überlegungen des Produzenten fiel plötzlich die Wahl auf mich – den Praktikanten. Eine halbe Ewigkeit übte der Tontechniker mit mir, bis ich die richtige »Anmutung« drauf hatte. Am Ende waren alle überrascht. Der Chef war begeistert von meiner Stimme. So kam es, dass ich immer öfter Spots einsprechen sollte und die Agentur meine Stimme sogar ihren Kunden anbot. Schließlich kostete ich als Praktikant nichts. Ich wurde also langsam »anbietbar« und professionalisierte mich immer mehr. Als der Aufnahmetechniker mir irgendwann riet, eine Gage zu verlangen, lachte ich mich erstmal kaputt, weil ich nicht glauben konnte, wie viel Geld man mit ein paar gesprochenen Sätzen verdienen konnte – das war ja schließlich keine »harte« Arbeit.


Danach hast du dich dann selbstständig gemacht?

So richtig angefangen hat es, als ich mir ein eigenes Studio und ein »Music Taxi« zulegte. Durch die Agentur Brilliant Voice, bei der ich inzwischen bin, bekomme ich jede Menge Aufträge. Zurzeit bin ich Stationvoice vom Nürnberger Hit Radio. Das ist die Stimme, die alle Rahmenelemente spricht, also Trailer und Teaser zu Beginn einer Senderubrik. Ansonsten hatte ich im letzten Jahr rund 1.000 Aufträge. Davon bestimmt alleine 700 Werbespots und Imagefilme. Da sind ganz unterschiedliche Sachen dabei. Unter Anderem lieh ich meine Stimme L’oréal, SAT.1, MTV, RTL II, Den drei Fragezeichen oder einem Charakter für das Spiel Battlefield 3.


Ist der Beruf des Sprechers dein Traumjob?

Ja auf jeden Fall. Ich kann von zu Hause arbeiten und verdiene damit mein Geld. Das Arbeiten mit meiner Stimme macht mir viel Spaß. Außerdem wird man oft von Bekannten angesprochen, dass sie einen mal wieder irgendwo gehört haben. Das Anstrengendste, was ich bisher erlebt habe, war lediglich, dass ich einmal für ein Computerspiel den Hauptcharakter sprechen musste. Das hieß 160 Stunden sprechen. Für die Aufnahmen wohnte ich acht Wochen in Köln und stand jeden Tag bei 34 °C im Sommer in der Aufnahmekabine.


Was muss man mitbringen, wenn man Sprecher werden will?

Ich habe den Vorteil, dass ich eine sehr tiefe Stimme habe, was relativ selten vorkommt. Aber egal, ob hoch oder tief, ein hoher Wiedererkennungswert ist das Wichtigste.



> Stimmproben von Tobias und weitere Infos gibt es auf www.ersprochenes.de

 


 

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