Der Essener Schwimmweltmeister Christian Keller im Interview

Wie wird man eigentlich Weltmeister?

Kategorie: Wie wird man ...?

Wie wird man eigentlich Weltmeister?
Schwimmweltmeister Christian Keller
 
Der Essener Christian Keller (39) hat eine glorreiche sportliche Karriere als Schwimmer hinter sich. Mit insgesamt 35 Meistertiteln und einer olypmischen Bronzemedaille zählte er zu den besten Schwimmern der Welt. Im Interview berichtet er, wie er es so weit geschafft hat, obwohl er bis heute kein Seepferdchen hat.

 

Christian, wie kamst zu eigentlich zum Schwimm-Sport?

Als ich fünf Jahre alt war, probierte ich verschiedene Sportarten aus und ging auch zum ersten Mal schwimmen. Dazu angestachelt wurde ich durch meine beiden älteren Geschwister, die schon im Schwimmverein waren. Meine allererste Bahn schwamm ich mehr unter als über Wasser — aber das Ergebnis zählte. So kam ich zum Schwimmen. Ich wollte schneller als meine Geschwister sein und strengte mich besonders an. Dabei wurde mein Talent entdeckt. Mit den Jahren wurde ich immer besser und die ersten gro­ßen sportlichen Erfolge ließen meinen Ehrgeiz mehr und mehr wachsen. Als Jugendlicher absolvierte ich bereits sieben Trainingseinheiten pro Woche und später sogar 14 Einheiten.

 

Wie ging es während deiner Schulzeit weiter?

Ich besuchte das Helmholtz Gymnasium. Zu dieser Zeit hatte ich ei­nen sehr strikten Tagesplan mit  Schule, Training, Hausaufgaben und Lernen von morgens 5.00 Uhr bis abends 21.15 Uhr. Ich war ein wohl eher mittelmäßiger Schüler, aber während meines Abiturs, das ich mit 2,9 schaffte, qualifizierte ich mich 1992 das erste Mal für die olympischen Spiele. Wegen des Trainings habe ich natürlich auf vieles verzichtet und bin nicht am Wochenende auf Partys gegangen. Ich musste Prioritäten setzen. Oft habe ich mir Sprüche angehört wie: »Der Keller hat nur Chlor im Kopf«. Aber das prallte an mir ab, denn ich wusste, dass man sich auch Neid erstmal verdienen muss. Nach dem Abitur machte ich eine Aus­bildung zum Bankkaufmann. Für mei­ne Abschlussprüfung habe ich damals sogar die Schwimm-WM abgesagt um mich voll und ganz auf die Prüfung zu konzentrieren.

 

Woher kam dieser enorme Ehrgeiz?

Die Versuchungen waren natürlich immer sehr groß und ich hatte auch mal Tiefpunkte. Doch immer war da dieser starke Wille und eine große Disziplin, mit der ich mich selbst quälte und die mich zu Höchstleistungen antrieb. Ich sage immer: »Man muss den Tiger im Herzen haben«. Denn allein ein großes Talent nützt einem nichts. Man muss den Willen und die Stärke haben um etwas daraus zu machen. Meine Eltern haben mich nie zu etwas gezwungen, sondern lediglich in meinen Willen unterstützt. Teilweise habe ich sogar mehr trainiert als ich musste, weil ich besessen von dem Gedanken war, mir dann einen Vorteil gegenüber meinem Gegner zu verschaffen.  Außerdem bin ich immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und Erfolgserlebnisse spornen mich noch mehr an.

 

Was kannst du jungen Leuten für einen Rat geben?

Ich glaube, dass viele jun­ge Menschen ein Talent haben, das sie nicht richtig nutzen, weil ihnen nicht klar ist, welche Möglichkei­ten sich dadurch für sie eröffnen könnten. Ihnen ist der Mehrwert nicht bewusst und dass es ihnen dadurch besser gehen könnte. Man muss sie dafür begeis­tem. Wenn man stattdessen Druck auf sie ausübt, bewirkt man genau das Ge­genteil. Deswegen sind Idole und Vor­bilder auch sehr wichtig. Ich rate allen jungen Leuten in einen Sportverein zu gehen, weil man dort nicht nur Werte vermittelt bekommt, sondern auch Freundschaften knüpft und lernt an sich zu arbeiten.
Um herauszufinden wofür man Talent hat, sollte man immer offen für neue Dinge sein und viel ausprobieren. Da­bei sollte man sich immer bewusst machen, dass man nichts geschenkt bekommt. Um erfolgreich zu sein, muss man den Tiger in seinem Herzen ent­decken!


Christian Keller, geboren am 3. August 1972, arbeitet heute als Vermögensberater bei der BHF-Bank  und lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Essen-Kettwig. Für das ZDF ist er nun als Schwimmexperte bei den Olympischen Spielen in London 2012 am Beckenrand. Mehr Infos auf www.christian-keller.de.


 

Ähnliche Artikel

logo

ROOKIE - DAS JUNGE MAGAZIN