Rookie des Monats: Dirt Bike-Profi Marc Rüsing (24)

Mit dem Hobby um die Welt

Kategorie: Rookie des Monats

Mit dem Hobby um die Welt
Dirt Bike-Profi Marc Rüsing (24)
Marc Rüsing ist Dirt Bike-Profi und gehört zur weltweiten Elite seines Fachs. Der 24-jährige Werdener reist mit seinem Hobby um die Welt, um Contests und Shows zu fahren und um Aufnahmen an außergewöhnlichen Spots einzufangen.

 

 

Schon als kleines Kind suchte er immer die besondere Herausforderung auf dem Rad. Mit 15 Jahren kam er zum Dirt Bike, einer Mischung aus Mountainbike und BMX, schon mit 18 wurde er erstmalig gesponsert. Mit der Zeit entwickelte sich Marc zu einem der besten Fahrer der Welt, gewann zahlreiche Contests und bereiste mit seinem Bike die Welt. Trotz zahlreicher Verletzungen, die sein Hobby schon verursachte, möchte er noch möglichst lange mit seinem Rad um den Globus touren.

Marc, wie bist du zum Dirt-Bike-fahren gekommen?

Im Grunde genommen hat alles auf meinem Puky-Rad angefangen. Damals war ich noch ein kleines Kind und wollte unbedingt bei Aldi in Werden die Laderampe runterspringen. Das hat natürlich überhaupt nicht geklappt, ich bin ständig gestürzt und kam heulend nach Hause. Später hab ich mir dann ein besseres Rad gewünscht und fing an mit hohem Tempo durch den Wald zu fahren. Anfangs war ich immer alleine unterwegs, lernte aber mit 14 die ersten Leute kennen, die genauso tickten wie ich. Wir sind dann viel zusammen gefahren. Erst nur downhill, aber dann lernte ich die ersten kennen, die auch Sprünge und Tricks drauf hatten. Damals gab es noch keine Internet-Videos und mich hat es total begeistert, als ich das live gesehen hab. Mir war sofort klar, dass ich das auch lernen wollte. Dirt Bike fahre ich seitdem ich 15  Jahre alt bin.

Mittlerweile bist du Dirt Bike-Profi. Wie kann man sich das vorstellen?

Meinen ersten Sponsor hatte ich mit 18, so richtig professionell läuft das seit zwei, drei Jahren. Früher bin ich mehr Contests gefahren. Zum Beispiel habe ich den ersten Platz beim Scott Nitrous Freeride Cup in Willingen und bei der Homegrown Tour in Aurich gemacht. Inzwischen vereise ich aber mehr und mache dabei Videos und Fotos. Im März war ich zum Beispiel zwei Wochen in Thailand, danach in England und vor kurzem auch noch in Griechenland unterwegs. Ansonsten bin schon in vielen Ländern Europas gefahren, auch mal in Australien. Ich reise immer zusammen mit anderen Bikern.  Wir werden für Shows gebucht und haben für unsere Trips Sponsoren, die uns finanzieren. Im Gegenzug machen wir Fotostorys oder schreiben Texte, die wir an Mountainbike-Magazine verkaufen. Dabei finden die Sponsoren dann ihre Logos wieder. Das läuft momentan sehr gut, sodass ich etwa alle zwei bis drei Monate unterwegs bin.

Erzähl uns ein bisschen von deinen internationalen Trips.

Griechenland war echt der Hammer. Wir wurden für ein Festival gebucht, um eine Show zu fahren. Unser Hotel war extrem luxuriös, direkt am Strand und mit Blick auf die Akropolis. Wir haben dort einen Typen kennen gelernt, der Drifting-Profi ist und mit uns in seinem Maserati wie ein Verrückter durch die Stadt gefahren ist. Der wirkte zunächst völlig lebensmüde, hatte es aber total drauf! Die Fahrt war echt der Wahnsinn. Es ist aber grundsätzlich so, dass unsere Trips nie diese klassischen Touri-Trips sind. Wir lernen dort immer viele Leute aus der Bike-Szene kennen. Wenn man dort mit dem Fahrrad ankommt, wird man sofort angesprochen und aufgenommen. Auch in Thailand haben wir auf Anhieb Biker getroffen, die uns ihre Nummern gegeben haben, abends mit uns feiern waren und uns geholfen haben, wenn es Stress mit der Polizei gab. (lacht) Man trifft einfach immer Menschen, mit denen man auf einer Wellenlänge ist.

Ihr habt auch mal eine besondere Tour durch Deutschland gemacht und dazu ein Video gedreht. Wie kam die Idee dazu zustande?

Ja, das war 2009. Ich hatte damals eine Reportage über die Kelly Family gesehen, bei der sich herausstellte, dass die damals mit Straßenmusik richtig Kohle gemacht haben. Daraufhin hatte ich die Idee, das aufs Biken zu übertragen. Das hab ich meinen Jungs erzählt und wir haben die Idee gemeinsam weiter gesponnen. Letztendlich waren wir zehn Tage lang in Deutschland unterwegs, jeden Tag in einer anderen Stadt. Wir hatten einen alten Ford Transit, in den wir einen mobilen Parcours einpackten. Den haben wir dann jeweils in der Innenstadt aufgebaut, sind da gefahren, haben Musik laufen lassen und das ganze moderiert. Die ganze Sache musste schnell gehen, da meistens nur eine halbe Stunde Zeit war, bis das Ordnungsamt kam. Wir sind dann immer mit dem Hut rumgegangen und haben dadurch genug Geld zusammengekriegt, um den kompletten Trip zu finanzieren.

Was macht für dich insgesamt die Faszination am Dirt Bike aus?

Im Grunde genommen ist Dirt Bike ja eine Nische von BMX. Das Rad ist ein kleines Mountainbike, mit dem man auch bequem rumheizen kann. Aber man kann Tricks machen, wie mit einem BMX. Die Sprünge sind beim Dirt Bike aber größer. Außerdem hat man keinen Trainer, der einem sagt, wie man zu fahren hat. Man ist völlig frei. Hinzu kommt, dass die Szene in Deutschland relativ klein ist, aber von der Qualität zu den besten der Welt gehört. Die meisten Fahrer kennen sich untereinander von gemeinsamen Events und Contests. Wenn man dann verreist, spricht man sich untereinander ab, wer Lust hat mitzukommen. Zwar ist das kein Teamsport im klassischen Sinne, aber der Zusammenhalt ist trotzdem riesig. Zum Beispiel gehen wir am Abend vor Contests gemeinsam feiern, ohne dass jemand sagt: »Ich muss heute früh ins Bett, damit ich morgen gut fahre.« Es gibt einfach keinen Neid untereinander, jeder freut sich für den anderen, wenn man mal selbst nicht gewinnt. Schon oft ist es vorgekommen, dass das gewonnene Preisgeld von der gesamten Truppe am selben Abend noch auf den Kopf gehauen wurde.

Kannst du dir vorstellen das Biken auf lange Sicht zu deinem Job zu machen?

Momentan versuche ich die Zeit in vollen Zügen zu genießen. Ich habe das große Glück, um die Welt reisen zu können und dabei das zu tun, was mir Spaß macht. Trotzdem ist mir klar, dass die Anzahl derer, die damit wirklich Geld verdienen, relativ gering ist. Außerdem sind professionelle Fahrer auch ständig verletzt. Ich selbst hatte schon Brüche im zweistelligen Bereich, teilweise üble Schmerzen. Man weiß nie wie lange das gut geht. Daher kann ich mich darauf alleine nicht verlassen und studiere im dritten Semester Sales Engineering and Product Management an der Uni Bochum. Durch meine Touren muss ich natürlich manchmal Klausuren ausfallen lassen, aber grundsätzlich lässt sich das gut vereinbaren.


Wer sich von Marcs Können live überzeugen will, dem bietet sich vom 11.-20. November täglich die Möglichkeit Shows von ihm mit URBANATIX in der Jahrhunderthalle in Bochum anzuschauen.

 

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